Sieben Beobachtungen zur Reaktion der US-Notenbank auf die Pandemie

Seit die Pandemie Anfang 2020 einen Teil der US-Wirtschaft zum Erliegen brachte, darunter Restaurants, Bars, Konzert- und Sportveranstaltungen, Geschäftsreisen und den Tourismus, trat die Federal Reserve (Fed) in den Anleihemärkten äußert aktiv auf. Zwischen dem 26. Februar und dem 10. Juni 2020 weitete die Fed ihre Bilanz von USD 3 Billionen auf USD 7 Billionen aus.  Ab dem 10. Juni legte die US-Notenbank eine Pause bei der Bilanzexpansion ein, um zu bewerten, welche Erfolge und welche Probleme sie mit dieser Maßnahme hatte, und daraus praktische Lehren zu ziehen.

Sieben Beobachtungen zur Quantitativen Lockerung

(1) Durch ihre Pensionsgeschäfte und den Ankauf kurzfristiger US-Schatzanweisungen mit unter einem Jahr Laufzeit sicherte die Fed einen reibungslos funktionierenden Markt für Overnight-Finanzierungen (Tagesgeld) und somit die Effizienz des Finanzsystems. Inzwischen sind Eingriffe in die Overnight-Märkte nicht mehr nötig, die Fed hat den Ankauf kurzfristiger Schatzanweisungen beendet und die Pensionsgeschäfte stark zurückgefahren.

(2) Die Fed kaufte in großem Umfang langlaufende US-Staatspapiere mit einer Laufzeit ab 10 Jahren (seit Ende Februar: USD 280 Mrd.). Damit stabilisierte sie die Renditen und dämpfte die Volatilität von Wertpapieren mit Laufzeiten von 10 Jahren und länger. Auf eine systematische Steuerung der Zinskurve legte sich die Fed nicht fest, vielmehr verfolgt sie das Ziel, die Volatilität im Markt für US-Staatsanleihen zu mildern, was ihr auch gelungen ist.

(3) Das Eingreifen der Fed am Markt für US-Staatsanleihen bewirkte einen dramatischen Stimmungswandel.  Am täglich aktualisierten Market Sentiment Meter der CME ist abzulesen, dass sich im März 2020, als die Pandemie weltweit Lockdowns erzwang, der Markt für 10-jährige US-Staatsanleihen in einem Zustand der „Angst“ befand.  Nachdem die Fed die Märkte dank ihrer Eingriffe beruhigen konnte, verwandelte sich die „Angst“ in „Ausgeglichenheit“, eine Stimmung, die dem normalen Risikoniveau entspricht. Inzwischen steht das Stimmungsbarometer auf „Selbstzufriedenheit“ – d. h. die Marktteilnehmer wähnen sich der Unterstützung durch die Fed sicher.

Machen Sie sich mit dem Market Sentiment Meter näher vertraut, besuchen Sie dazu unsere täglich aktualisierte Website mit Neuigkeiten, erklärenden Beiträgen und tiefgehenden Analysen: https://www.cmegroup.com/tools-information/market-sentiment-meter.html.

(4) Die größten Käufe der Fed betrafen die mittleren Laufzeiten von einem Jahr bis zu unter zehn Jahren, die sich seit Ende Februar auf fast USD 1,3 Billionen beliefen und derzeit weiter zunehmen, auch nachdem andere Ankaufprogramme zurückgefahren wurden.  Der Ankauf dieser Papiere dürfte dem Ziel gedient haben, den Druck zu mindern, der durch die äußerst umfangreichen Auktionen neu emittierter Schuldtitel der US-Treasury entstand. Insofern ist eine Verschmelzung fiskal- und geldpolitischer Ziele zu beobachten.  Freilich ist unklar, ob die enormen Käufe von Rentenwerten dieses mittleren Fälligkeitssegments die Form der Zinsstrukturkurve nennenswert oder überhaupt verändert haben – bedenkt man, wie wirksam die anderen Maßnahmen waren, mit denen die Fed den Leitzins bei null verankern, die Volatilität dämpfen und die Renditen am langen Ende stabilisieren konnte.  [ Informieren Sie sich über unsere Forschungsergebnisse zur modernen Geldtheorie („Modern Monetary Theory“, MMT]

(5) Die  Ankündigung der Fed, in die Märkte für Kommunal- und Unternehmensanleihen einzutreten, hatte größeres Gewicht als die Käufe selbst. Die Auswirkungen auf die Preisfindung waren dramatisch.  Die Umsetzung dieser Ankaufprogramme verzögerte sich allerdings und der Umfang der Käufe ist recht gering.  Ihr Einfluss auf den Markt war jedoch erheblich und machte sich schon bei der Ankündigung bemerkbar, nicht erst, als die Käufe stattfanden.

(6) Die Fed fuhr ihre Swaplinien für andere Notenbanken sehr stark zurück.  Die Devisenmärkte funktionieren reibungslos, die Nachfrage anderer Notenbanken nach Devisenswaplinien der Fed ist gering.

(7) Die Fed reduzierte auch ihre Unterstützung der Primärhändler an den Rentenmärkten.  Es gibt viele Belege dafür, dass die Liquidität ausgezeichnet ist und Primärhändler keine Kredite benötigen.

Was sagt der Markt?

Zwar könnte die Fed den Ankauf von Aktiva insgesamt reduzieren und die Zusammensetzung der Wertpapiere in ihrem Portfolio anpassen, aber der Futuresmarkt für Zentralbankgeld (Fed Funds) spiegelt weiterhin die Erwartung wider, dass sich Zinssätze um null noch zwei Jahre oder länger behaupten werden.  Wir beobachten ein kräftiges Wachstum der Handelsvolumina und der offenen Positionen (Open Interest) von Call-Optionen auf Eurodollar-Futures mit Ausübungspreisen, die Zinssätze um null oder im Negativbereich implizieren. Das heißt, die Marktteilnehmer erwarten, dass die Fed die kurzfristigen Zinssätze noch geraume Zeit nahe bei null halten wird.


Alle in diesem Bericht dargestellten Beispiele sind hypothetische Interpretationen und werden nur zu Erläuterungszwecken verwendet. Die in diesem Bericht dargestellten Sichtweisen sind ausschließlich die Meinung des Autors, nicht notwendigerweise der CME Group oder ihrer verbundenen Unternehmen. Dieser Bericht und die darin enthaltenen Informationen sind nicht als Anlageberatung oder als Ergebnis tatsächlicher Markterfahrungen aufzufassen.

Über den Autor

Bluford (Blu) Putnam ist seit Mai 2011 Managing Director und Chefvolkswirt der CME Group und somit für die führenden wirtschaftlichen Analysen der globalen Finanzmärkte verantwortlich. Dabei identifiziert er aufkommende Trends, bewertet wirtschaftliche Faktoren und prognostiziert deren Auswirkungen. Vor seinem Wechsel zur CME Group sammelte Putnam mehr als 35 Jahre lang Erfahrungen in der Finanzdienstleistungsbranche mit den Schwerpunktgebieten Zentralbankwesen, Investment Research und Portfoliomanagement.

Weitere Berichte von Bluford Putnam, Autor von fünf Büchern zum Thema internationale Finanzwirtschaft.

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