Gute Wachstumsaussichten für Devisenoptionen

40 % der befragten Händler gaben an, dass sie nach Inkrafttreten der neuen Marginregeln ihr OTC-Geschäft auf börsennotierte Devisenoptionen verlagern könnten

Erneute Fokussierung auf elektronischen Handel als Grundvoraussetzung für langfristiges Wachstum bei Devisenoptionen

Wie die jüngste Umfrage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigt, ist das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen in Devisenoptionen weltweit seit April 2016 um 16 % auf USD 294 Mrd. per April 2019 angestiegen. Der aktuelle Wert liegt jedoch immer noch um 13 % unter dem Stand von 2013; seinerzeit wurden täglich USD 330 Mrd. umgesetzt. Dass die Handelsvolumina über sechs Jahre weitgehend unverändert geblieben sind, überrascht, denn der Devisenmarkt im allgemeinen hat von starkem Wachstum profitiert: Das durchschnittliche Devisenhandelsvolumen lag mit USD 6,6 Billionen im laufenden Jahr um 25 % über dem Niveau von 2013.

Warum hat sich der Optionsmarkt schwächer entwickelt? Man könnte argumentieren, dass der schleppende Übergang zum elektronischen Handel, die Anpassung an neue Verhaltensregeln und Kapitalanforderungen sowie die historisch niedrige Volatilität Faktoren waren, die die Wachstumsdynamik des Marktes in den letzten sechs Jahren gebremst habe.

Elektronischer Handel führt zu höheren Volumina

Der Optionshandel war das Segment im Devisenmarkt, in dem der Übergang zum elektronischen Handel am schleppendsten verlief. Die globale Devisenmarktstudie 2018 von Greenwich Associates zeigte, dass lediglich 37 % der börsennotierten Devisenoptionen weltweit elektronisch ausgeführt werden – im Spotmarkt liegt der Wert bei 87 %, bei lieferbaren Terminkontrakten bei 74 %.

Dabei ist interessant, dass der letzte signifikante Volumensanstieg (laut Daten der BIZ) zwischen 2010 und 2013 zu beobachten war: In diesem Zeitraum stiegen die Handelsumsätze um 62 %; gleichzeitig stieg der Anteil des elektronischen Handels von deutlich von 11 % auf 36 %. Ein ähnliches Bild zeigte sich im Zeitraum von 2007 und 2018 an der CME insgesamt: Die Aktivitäten verlagerten sich in diesem Zeitraum von überwiegendem Parketthandel auf 98 % elektronisch – parallel explodierten die Volumina um 400 %.

Vor dem Hintergrund der strengeren aufsichtsrechtlichen Überwachung von Handelsusancen und -verhalten erscheint eine fortgesetzte Präferenz für den herkömmlichen Präsenzhandel gegenüber elektronischen Handelssystemen unangebracht. Zudem muss sich der Markt erneut dem elektronischen Handel zuwenden, um skalierbare, kostengünstige Betriebskapazitäten schaffen zu können. Dies erscheint insbesondere bei Standard-Devisenoptionen in den G10-Währungspaaren von Bedeutung zu sein, wo schrumpfende Gewinnmargen die höheren Personalkosten des Präsenzhandels nicht mehr rechtfertigen.

Margin-Regelungen für nicht geclearte Derivate (Uncleared Margin Rules – „UMR“)

Die Umsetzung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen aus Dodd/Franck, MiFID I & II sowie der Basler Eigenkapitalvereinbarung ist beinahe abgeschlossen. Die Aufmerksamkeit dürfte sich nun auf die letzten beiden Umsetzungsphasen der UMR-Regularien konzentrieren, nach denen Marktteilnehmer für bilaterale Devisenoptionspositionen Initial und Variation Margin austauschen müssen.

Es wird davon ausgegangen, dass hiervon fast 1.000 Marktteilnehmer betroffen sind; sofern zahlreiche dieser Teilnehmer nicht ausreichend darauf vorbereitet sind, mit dem erwarteten höheren betrieblichen Aufwand umzugehen, könnte sich dies durchaus dämpfend auf die Marktaktivität auswirken.

Nach Ansicht von David Stryker, Principal bei Greenwich Associates und Autor eines kürzlich erschienenen Berichts über den Devisenoptionsmarkt, könnten die Handelskosten ab September 2020 – dem Datum, ab dem UMR für den Großteil der Branche gültig sein wird – deutlich ansteigen. Laut Stryker werden die Vorteile börsennotierter Produkte über die nächsten zwölf Monate zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Fast 40 % der für diesen Bericht befragten Händler sehen börsennotierte Devisenoptionen als Instrumente, die ihre außerbörslich (OTC) gehandelten Optionen potenziell ergänzen oder in einigen Fällen vollständig ersetzen könnten, wenn Marginzahlungen auf OTC-Kontrakte vorgeschrieben werden. Stryker stellte zudem fest, dass die meisten Marktteilnehmer deutliche Kosteneinsparungen beim Handel über ein zentrales Limitorderbuch erzielen könnten – auf Einzelgeschäftsbasis bis zu 70 % im Vergleich zum OTC-Handel. Des Weiteren zeigt eine Analyse der CME, dass börsennotierte, über einen zentralen Kontrahenten (CCP) abgewickelte Optionen die Kapital- und Refinanzierungskosten im Vergleich zu bilateralen Positionen um fast 90 % reduzieren können.

Eine niedrige Volatilität kann nicht von Dauer sein

Die Volatilität im Devisenmarkt befindet sich in einem langfristigen Abwärtstrend und nähert sich (auf Basis des JP Morgan G7-Volatilitätsindex) einem 25-Jahres-Tief. Erreicht die Volatilität Extremwerte, nimmt der Einsatz von Optionen tendenziell ab. Bei sehr hoher Volatilität zeigen sich Liquiditätsprobleme und hohe Optionsprämien erschweren die Nutzung zu Handels- oder Absicherungszwecken.

Bei niedriger Volatilität ist reichhaltig Liquidität im Markt, aber die Motivation der Teilnehmer zum Einsatz sinkt: Beispielsweise finden institutionelle Marktteilnehmer, die bevorzugt Strategien zur Renditesteigerung einsetzen, das Chance-/Risikoprofil bei sehr niedrigem Volatilitätsniveau unattraktiv, denn das Risiko hoher Verluste bei einer plötzlichen, starken Kurskorrektur ist dabei beträchtlich.

Zwar sind strukturelle Veränderungen der Volatilität, die über einen längeren Zeitraum zu höherem Risiko in mehrere Währungen führen können, schwer vorherzusagen – doch wie die obige Abbildung zeigt, setzt eine Trendumkehr nach einem ausgeprägten Tiefststand schnell ein und ist deutlich ausgeprägt.

Für den Devisenoptionsmarkt stehen adäquate Lösungen für die abschließenden Phase der UMR-Umsetzung zur Verfügung. Mit Fokus auf die Effizienzpotenziale und die Skalierbarkeit des elektronischen Handels könnten sich Devisenoptionshändler ideal für den nächsten Volatilitätsschub positionieren und das echte Potenzial dieses Marktes realisieren.


 

All examples in this report are hypothetical interpretations of situations and are used for explanation purposes only. The views in this report reflect solely those of the author(s) and not necessarily those of CME Group or its affiliated institutions. This report and the information herein should not be considered investment advice or the results of actual market experience.