Bitcoin: steht die Kursrally erst am Anfang?

AUF EINEN BLICK

Der Bitcoin-Kurs ist seit März um 300 % gestiegen – ein deutlicher Ausreißer gegenüber anderen Märkten, die zum Teil sogar Rückschläge erlitten haben.

66 % der Marktkapitalisierung sämtlicher Kryptowährungen entfallen auf den Bitcoin; seine Stärke führen Experten unter anderem darauf zurück, dass der Bitcoin bereits eine gewisse Marktreife erreicht hat.

Der Bitcoin-Kurs ist seit Anfang September um mehr als 75 % gestiegen. Im selben Zeitraum legten der Gold- und der Silberkurs weniger stark zu, der US-Dollar stagnierte. Warum also entwickelte sich der Bitcoin so erheblich viel besser als nahezu alle anderen Assetklassen?

Für die Antwort müssen wir zunächst einmal klären, was der Bitcoin überhaupt ist: ein Wertspeicher, ein Asset für risikoaverse Anleger oder eine Proxy-Fiatwährung? Die Zukunft werde es zeigen, sagte mir kürzlich Tim McCourt, Global Head of Equity Index and Alternative Investment Products der CME Group, und die starke Performance sei möglicherweise eher eine Reputationsfrage: „Der Bitcoin ist ein Pionier unter den Kryptowährungen; ihn gibt es seit 11 Jahren.“

Seit seinem Tiefstand im März ist der Bitcoin um mehr als 300 % gestiegen. Das ist kein Zufall: Im März gab die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) unbegrenzte quantitative Lockerungsmaßnahmen bekannt und signalisierte damit, dass man zur Eindämmung der Wirtschaftskrise alles tue. 

Mehr Liquidität beflügelt den Bitcoin

Andere Zentralbanken haben dem seither nachgeeifert. Wenn in beispiellosem Umfang Liquidität ins weltweite System gepumpt wird, fließt Geld in die seltsamsten Kanäle. Als die Kursrallys von Aktien, Gold und Silber im Herbst an Fahrt verloren, war der Bitcoin der klare Nutznießer. 

Der Bitcoin scheint auch einen nahezu unüberwindbaren Vorsprung gegenüber anderen Kryptowährungen zementiert zu haben: 66 % der Marktkapitalisierung sämtlicher Kryptowährungen entfallen derzeit auf ihn; um den Rest streiten sich die übrigen über 7.000 Kryptowährungen. Rene Van Kesteren, Head of Digital Markets bei Blockfi, führt dies teilweise auf den Ruf und das lange Bestehen des Bitcoin zurück: „Der Bitcoin hat sich einen Namen gemacht und existiert am längsten.“ Dennoch hätten andere Kryptowährungen, wie Ethereum, immer noch ein Wörtchen mitzureden. 

Ein Wertspeicher?

Jüngst haben sich einige Koryphäen der Vermögensverwaltung – darunter Paul Tudor Jones und Stanley Druckenmiller – positiv zum Bitcoin geäußert; laut Druckenmiller ist der Bitcoin „als Wertspeicher sehr attraktiv“.

Warum sind Wertspeicher aktuell so viel stärker nachgefragt als früher? Anscheinend ist dem Markt nicht wohl dabei, dass Zentralbanken auf der ganzen Welt mit ihren Währungen ein derart hohes Risiko eingehen. Aus diesem Misstrauen ist das Bedürfnis entstanden, Währungsrisiken abzusichern. In den kommenden Monaten der Pandemie und der damit zusammenhängenden Finanzkrise könnte sich der Bitcoin als interessanter Gradmesser für die weltweite Liquidität und die wahrgenommene Robustheit von Fiat-Währungen erweisen. 

ÜBER DEN REFERENTEN

Jim Iuorio, Managing Director, TJM Institutional Services 

Jim Iuorio ist Managing Director bei TJM Institutional Services und ein Veteran im Futures- und Optionshandel. Im Laufe seiner Broker-Karriere war er für bedeutende institutionelle Kunden in den Bereichen Aktienindizes, Rohstoffe, Zinsprodukte und Devisen tätig. Bei seinen Empfehlungen kombiniert er makroökonomische Einblicke mit technischen Analysen.

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