Die Pandemie im Spiegel der Konjunkturdaten

Auf einen blick

  • Q2-Berichte zu Konsumausgaben und BIP werden die ersten echten Anhaltspunkte für die wirtschaftlichen Belastungen durch das Coronavirus liefern
  • Aufgrund des starken Jahresauftakts werden die anstehenden Q1-Zahlen nicht das tatsächliche Bild wiedergeben

Die Coronapandemie hat ganze Länder und Sportligen zum Stillstand gebracht, den Reiseverkehr eingeschränkt und zu dramatischen Verlusten an den Aktien- und Anleihemärkten geführt.

Auch wenn die Menschen auf der ganzen Welt jetzt bereits die Auswirkungen dieses Virus zu spüren bekommen, kann es sein, dass sich der gesamte Effekt auf die Wirtschaft – wie bei den meisten anhaltenden Krisen – erst in einigen Monaten wirklich bemerkbar macht. In den kommenden Wochen und Monaten werden wohl die Berichte über die Konsumausgaben, den Arbeitsmarkt, das BIP und die Ertragslage der Unternehmen im 2. Quartal die aussagekräftigsten Daten zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus liefern.

Konsumausgaben

In Krisenzeiten neigen Verbraucher dazu, ihre Ausgaben für Nicht-Basiskonsumgüter einzuschränken, um sich auf das Unbekannte vorzubereiten, das noch kommen könnte. Sie planen keinen Urlaub mehr, schränken sich beim Shopping ein und geben mehr Geld für lebensnotwendige Güter aus, von denen sie eventuell auch Vorräte für den Notfall anlegen.

Die Coronakrise ist insofern einmalig, als dass die Verbraucher diese Wahl vielleicht nicht selbst treffen können. Die Daten zu den Konsumausgaben für das 1. Quartal werden keine Aussagekraft für den gesamten Dreimonatszeitraum haben. Einen besseren Überblick zu den Auswirkungen dieser weltweiten Krise auf die Ausgaben für Konsumgüter, die nicht den Grundbedürfnissen dienen, werden hingegen die Statistiken für das 2. Quartal liefern.

Arbeitsmarktdaten

Angaben des Bureau of Labor Statistics zufolge wurden im Februar 273.000 neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft (Non-farm Payrolls) geschaffen und damit deutlich mehr als die ursprünglich geschätzten 175.000 Stellen. Durch diese zusätzlichen 98.000 Arbeitsplätze sank auch die Arbeitslosenquote auf ein 50-Jahres-Tief von 3,5 %.

Beide Zahlen dienten als Erinnerung daran, dass die Fundamentaldaten der Wirtschaft trotz des kurz zuvor erfolgten Ausverkaufs an den Aktienmärkten und den Abschlägen im Rentenbereich intakt waren. Wenngleich die Coronakrise beispiellos ist, könnten die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ähnlich ausfallen wie bei anderen länger andauernden Ereignissen in der Vergangenheit. Während einer Finanzkrise haben Unternehmen kein Geld für Neueinstellungen und es kommt tendenziell zum Stellenabbau – das ist bei dieser Pandemie nicht anders. Da jedoch Restaurants und andere Dienstleistungsbetriebe kurzzeitig geschlossen werden, könnte die Arbeitslosenquote schneller ansteigen als üblich, da es zum Ausgleich der Entlassungen keine Neueinstellungen gibt.

Ertragszahlen

Zusätzlich zu den Arbeitsmarktberichten werden die Unternehmensgewinne im 2. Quartal einen starken Indikator für die tatsächlichen Auswirkungen dieses Virus auf die Wirtschaft liefern. Die Ertragszahlen für das 4. Quartal 2019 waren durchweg positiv und bis Mitte Februar 2020 schien sich diese solide Gewinnentwicklung fortzusetzen.

Die anstehenden Berichte zur Ertragslage im 1. Quartal werden nicht wirklich wiedergeben, wie das Coronavirus die Unternehmen beeinträchtigt hat, da die robuste Entwicklung in den ersten eineinhalb Monaten des Jahres die Zahlen für das Gesamtquartal verzerren wird. Die Gewinne im 2. Quartal werden ein zutreffenderes Bild davon vermitteln, welchen Schaden die Finanzkennzahlen der Unternehmen erlitten haben.

BIP

Den größten Schaden könnte das Coronavirus allerdings beim BIP anrichten. In Krisenzeiten geben Verbraucher weniger Geld aus, die Arbeitslosenzahlen steigen und die Neueinstellungen gehen zurück. Auch die Produktion erlebt einen dramatischen Einbruch.

Nach Angaben des Bureau of Economics stieg das reale BIP im Jahr 2019 um 2,3 %, was auf höhere Ausgaben für den persönlichen Konsum und höhere Staatsausgaben zurückzuführen war, sowie auf die Tatsache, dass ein schwächerer Dollar mehr Exporte zur Folge hatte. Im 4. Quartal 2019 hatten Konsumausgaben einen Anteil von 68 % an der gesamten US-Wirtschaft von USD 21,7 Billionen.

Für eine Einschätzung der langfristigen Effekte dieser Krise auf das BIP ist es noch zu früh, doch das BIP im 2. Quartal dürfte die Schwierigkeiten und Probleme zahlloser Branchen verdeutlichen, denn es wird  teilweise ein Rückgang um bis zu 24 % prognostiziert.

Auch wenn wir in einer zunehmend digitalen Welt leben, in der man nahezu alles Notwendige online kaufen kann, sind es doch weiterhin Menschen, die diese Produkte herstellen, verpacken und ausliefern. Die erheblichen Beeinträchtigungen der Wirtschaft durch eine globale Krise – ganz zu schweigen von einer Gesundheitskrise – sind tief greifend und keine Daten werden diese Auswirkungen deutlicher widerspiegeln als die nächsten beiden Quartalsberichte zum BIP.


Scott Bauer Scott Bauer schloss sein Studium an der University of Illinois Business School, Urbana Champaign, 1988 mit Auszeichnung ab und erwarb einen B.Sc. in Finanzen. 1991 begann er mit dem Parketthandel und gründete 1995 das Unternehmen BOTTA Capital Management. Er handelte Aktienoptionen, S&P-Optionen an der CME und war bei Goldman, Sachs & Co. als Vice President der Equities Division tätig. Derzeit ist Scott Bauer CEO der Prosper Trading Academy und tritt regelmäßig bei CNBC, Bloomberg Financial und Fox Business als Gastkommentator auf.

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